Cavaletti und Stangenarbeit:

Ich bin ja hauptsächlich Dressurreiter, dennoch finde ich Abwechslung und "Kopfarbeit mal anders" immer wieder wichtig für mein Pferd. Immer nur Dressur zu reiten würde auch mein Pferd dezent nerven. 

Ich werde mich hüten euch etwas von einem Springtraining zu erzählen, da ich da viel zu unerfahren bin.

In diesem Artikel geht es "nur" um Stangen- und Cavalettitraining.

 

Allgemeines:

Cavaletti werden auch Bodenricks genannt.

Sie bestehen aus einer Stange die 2,5 bis 3,5 m lang ist.

Am jeweiligen Ende ist ein Kreuz als Ständer befestigt die 40 bis 50 cm hoch sind.

Die Kreuze können gedreht werden, so kann die Stange ganz oben (ca. 40 cm), oder auf halber Höhe (ca. 25 cm) genutzt werden.

Möglich ist es auch, dass die Stange ganz auf dem Boden liegt.

 

Vorraussetzung:

  • Der Reiter sollte sattelfest sein und korrekt auf sein Pferd einwirken können.
  • Anfangs natürlich nur mit erfahrenem Trainer.
  • Die Abstände zwischen den Stangen müssen stimmen.
  • gesundes Pferd


Durch die Verbesserung von Takt, Raumgriff und Hinteraktivität und durch die Lockerung der Muskulatur werden auch Losgelassenheit und Anlehnung deutlich gefördert.

Grundsätzlich verbessert das Zusammenspiel der positiven Effekte also letztlich auch Rittigkeit und Gehorsam eines Pferdes.

 

 Positiv (auch für mich als Dressurreiter):

·      Abwechslung

·      Erhöht die Motivation

·      Erhöht die Trittsicherheit

·      Verbesserung der Grundgangarten

·      Verbesserung Raumgriff

·      Verbesserung Hinterhandaktivität (Beine heben)

·      Gut für die Muskulatur

·      Balance von Pferd und Reiter fördern

·      Schub- und Tragkraft aufbauen

·      Verbesserung des Schritts! (auch zB bei Passgängern)

·      Für die Springer: Sprungkraft aufbauen 

 

Wichtig: 

•  Vorwärts-Abwärts Dehnung des Pferdehalses

•  Leichte Anlehnung vor der Senkrechten

•  Ruhige, tiefe Hand

•  Ruhiges, aber frisches Grundtempo

•  Cavaletti mittig anreiten und Linie beibehalten

•  Balance im leichten Sitz halten! Vorher schon in den Dressurstunden oder an der Longe immer wieder mal "leichten Sitz" üben!

Bei Dressurpferden können dadurch insbesondere die Gangarten Schritt und Trab gefördert werden.

Durch die konstanten Abstände der Cavaletti wird außerdem das Gleichmaß der Bewegungen verbessert.

Das höhere Treten beeinflusst Schwung und Ausdruck positiv.    

Abstände:

•  Schritt  Abstand 0,80 bis 0,90 Meter / Höhe 10 bis 20 Zentimeter

•  Trab   Abstand 1,20 bis 1,50 Meter / Höhe 15 bis 20 Zentimeter

•  Galopp Abstand 3,00 bis 4 Meter / Höhe 25 bis 50 Zentimeter


Wichtig: Die Abstände zwischen den Cavaletti solltet ihr stets ausmessen!

 

Voraussetzung für Cavaletti-Arbeit sind Grundrittigkeit und Gehorsam.

Klappt es mit einem Cavaletti, können nach und nach weitere dazugelegt werden. Wichtig ist es gerade bei jungen Pferden, die notwendigen Abstände genau zu bestimmen und einzuhalten, um das Pferd nicht zu verunsichern. Bitte immer von erfahrenen Trainern helfen lassen. Immer zuerst im Schritt beginnen.

 

Achtung: auf eine losgelassene Rückenmuskulatur achten und das Pferd keinesfalls mit der Hand in seinem Bewegungsrhythmus einzuschränken!



Klappt das Schrittreiten über Bodenstangen oder kleine Cavalettis, kann die Trabarbeit im Arbeitstempo in Angriff genommen werden.

Empfehlenswert ist er dafür, die Bügel ein bis zwei Löcher kürzer zu schnallen. Das geht auch mit einem Dressursattel problemlos.

Das Tempo bleibt immer gleich, egal ob vor, über oder nach dem Cavaletti.

Dem Pferd wird eine Vorwärts-Abwärts Dehnung des Halses ermöglicht, indem der Reiter den Zügel leicht nachgibt, aber nicht wegwirft.

Eine Verbindung zum Pferdemaul ( die Anlehnung ! ) bleibt bestehen.

 

Ein gut trainiertes Pferd mit entsprechender Grundausbildung kann von einem routinierten Reiter auch im versammelten Trab und im Mitteltrab über Cavaletti gearbeitet werden. Die Abstände müssen dazu wie schon im Schritt entsprechend angeglichen werden. Bei einer Verkürzung werden die Tritte kadenzierter, bei einer Verlängerung raumgreifender.



 

Statt Stangen am Boden verwende ich gerne die „Duale“ , einfach weil das weiche Material für die nicht so geübten Pferde besser ist, falls die mal drauftreten.

Einmal pro Woche sollte auch für die Dressurreiter Stangen- bzw Cavalettiarbeit drin sein.

Das bedeutet ja nicht gleich einen ganzen Parcours aufzubauen ;-) Es reichen auch mal 3 Trabstangen… 


Wenn das Pferd locker und flüssig über die 3 Trabstangen tritt, kann ich zusätzliche Stangen dazulegen. Eine Cavalettireihe kann aus bis zu 9 hintereinander liegenden Cavalettis bestehen. Dies sollte allerdings erst nach längerer Übung angepeilt werden. Wieder verwende ich hier lieber die Schaumstoffduale.

Je sicherer Reiter und Pferd im Überwinden der Stangen werden, um so komplizierter kann der Aufbau stattfinden.


So kann ich Trab oder Galopparbeit über Cavaletti auch auf gebogenen Linien absolvieren. Ich kann in der Reihe z.B. eine Stange weglassen, um das Pferd wieder zum Mitdenken zu veranlassen. Oder jede 2. Stange höher stellen.

 

Auch Cavaletti-Arbeit im Galopp ist möglich, sofern Reiter und Pferd entsprechend ausgebildet sind. Gerade bei Dressurpferden lässt sich so der Galoppsprung verbessern: Das Pferd lernt sich zu setzen und Last mit der Hinterhand aufzunehmen.

Bitte anfangs immer von einem erfahrenen Trainer helfen lassen (Unterricht!)

 

(Text: Daniela Geiger 2014)


Bloglink: leichter Sitz oder Entlastungssitz (REITARENA AUSTRIA)